Status: Kulturdenkmal der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg
Objektinformation
objektid : 98827872
info : Bahnhof, dreiteiliger Baukomplex aus Empfangsgebäude, Gastwirtschaftsanbau und Güterabfertigung, zweigeschossiges und giebelständiges Empfangsgebäude mit Satteldach, verputztes Erdgeschoss massiv, darüberliegende Geschosse mit Holzschindelverkleidung, im Erdgeschoss Rundbogenöffnungen, eingeschossiger massiver Gastwirtschaftsanbau mit Walmdach und Rundbogenöffnungen, Güterabfertigung als Holzbau mit überkragendem Satteldach, massiver Sockel mit Laderampen, errichtet kurz vor 1915Der in markanter Solitärlage an der unmittelbar vorbeifließenden Murg befindliche Bahnhof von Raumünzach entstand im Zuge des Ausbaus der Murgtalbahn, die nach langwierigen Bauverfahren von 1868 bis 1928 errichtet wurde und Freudenstadt mit Rastatt über Baiersbronn, Forbach, Gernsbach und Gaggenau verbindet. Die kurz vor 1915 errichtete Bahnhofsanlage bildet dabei den Endpunkt der bis 1915 durch die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen realisierten Teilstreckenerweiterung von Forbach bis Raumünzach.
Entsprechend seinem Rang als von niedererem Rang ist die äußere Erscheinung des Bahnhofes eher zurückhaltend gehalten.
Den baulichen Schwerpunkt bildet dabei das giebelständig ausgerichtete Empfangsgebäude, welches sich in seiner bescheidenen Hausform mit Satteldach und Holzschindelverkleidung an den regional vorherrschenden Wohnhausbau der Zeit um 1800 bzw. des frühen 19. Jahrhunderts und Gestaltungs- und Materialtraditionen anlehnt.
So treten das Empfangsgebäude wie auch der Gastwirtschaftsanbau in einfühlsamer Weise mit der umliegenden Kulturlandschaft des mittleren Murgtales in Verbindung und werden durch die repräsentativen Akzente der Rundbogenöffnungen sowie des barockisierenden Ovalfensters als öffentliche Hochbauten der Eisenbahn betont.
Der Baukomplex, zu welchem noch der bretterverschalte Güterabfertigungsbau mit charakteristischen Laderampen und überkragendem Satteldach gehört, ist damit ein geschlossen überliefertes und folglich authentisches Dokument für die Bahnhofsarchitektur des traditionalistischen Reform- bzw. Heimatschutzstiles während der Spätzeit der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen während der 1910er-Jahre.
Als wichtiges Zeugnis für die infrastrukturelle Vernetzung der Gegend um Raumünzach mit den umliegenden Regionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts besitzt der Bahnhof zudem anschaulichen Quellenwert für die lokale Verkehrs-, Mobilitäts- und Eisenbahngeschichte im Laufe des 20. Jahrhunderts und veranschaulicht dabei auch den Eisenbahnausbau im Nordschwarzwald durch die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen während der damaligen Zeit.
Nicht zuletzt ist der Raumünzacher Bahnhof für die zwischen 1922 und 1926 erfolgte Realisierung des Schwarzenbachwerks und der Schwarzenbachtalsperre von Belang, da von Raumünzach aus eine Feldbahn für den Antransport der Baumaterialien abfuhr.
Quelle: https://www.geoportal-bw.de/
