Geschichte des Bahnhofs Raumünzach
1. Bau und Eröffnung (1914–1915)
Der Bahnhof Raumünzach wurde 1914 errichtet und 1915 in Betrieb genommen als Teil der Erweiterung der Murgtalbahn in Richtung Süden. Mit der Eröffnung der Teilstrecke Forbach–Raumünzach am 4. Mai 1915 wurde Raumünzach vorläufiger Endpunkt dieser Ausbauetappe.
2. Die Murgtalbahn
Die Murgtalbahn ist eine Eisenbahnstrecke im Nordschwarzwald, die von Rastatt über Forbach nach Freudenstadt führt. Sie wurde etappenweise gebaut und gilt aufgrund ihrer Tunnel, Steinbrücken und des gebirgigen Geländes als technisch anspruchsvolle Bahnstrecke.
Der Abschnitt Weisenbach–Forbach wurde am 14. Juni 1910 eröffnet. Die Teilstrecke bis Raumünzach folgte am 4. Mai 1915. Die Fortführung bis zur badisch-württembergischen Landesgrenze und weiter nach Freudenstadt wurde am 13. Juli 1928 durch die Deutsche Reichsbahn realisiert. Damit entstand die durchgehende Verbindung von Rastatt bis Freudenstadt.
3. Bahnhof Raumünzach und die Schwarzenbach-Talsperre (1922–1926)
Der Bahnhof Raumünzach spielte eine zentrale Rolle beim Bau der Schwarzenbach-Talsperre zwischen 1922 und 1926. Als wichtiger Umschlagpunkt für Baumaterialien war er die logistische Drehscheibe, von der aus Materialien über eine spezielle Waldbahn zur Baustelle transportiert wurden.
Die Schwarzenbach-Talsperre
Die Talsperre wurde als Gewichtsstaumauer aus Gussbeton errichtet, ca. 65 Meter hoch und 400 Meter lang. Sie sammelt das Wasser des Schwarzenbachs sowie über Stollen zusätzliches Wasser zur Stromerzeugung. Während der Bauzeit arbeiteten bis zu 2.000 Menschen auf der Baustelle, unterstützt durch eine umfangreiche Infrastruktur mit Werkstätten, Unterkünften und Versorgungswegen.
Logistik und Rolle des Bahnhofs Raumünzach
Raumünzach lag an der Murgtalbahn und war der zentrale Eisenbahnanschluss für die Baustelle:
- Ein Verladegleis im Bahnhof wurde speziell für die Baustofflogistik eingerichtet.
- Zementsäcke, Nägel, Lebensmittel und Werkzeuge wurden hier umgeladen und in Richtung Baustelle weitertransportiert.
- Eine elektrische Waldbahn beziehungsweise Feldbahn verband den Bahnhof mit der Baustelle.
- Ein Schrägaufzug unterstützte den Materialtransport über den Höhenunterschied von etwa 270 Metern.
Ohne diese logistische Infrastruktur wäre der Materialtransport zur Talsperrenbaustelle kaum möglich gewesen.
4. Vollendung der Murgtalbahn (1928)
Die Murgtalbahn wurde in mehreren Etappen gebaut: Weisenbach–Forbach 1910, Forbach–Raumünzach 1915 und Raumünzach–Klosterreichenbach 1928. Mit der Fertigstellung des letzten Abschnitts entstand die durchgehende Bahnverbindung von Rastatt bis Freudenstadt.
5. Funktionsverlust und Aufgabe des historischen Bahnhofs
In den 1980er Jahren wurden im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen wenig genutzte Haltepunkte wie Raumünzach aufgegeben. Das historische Bahnhofsgebäude verlor seine Funktion für den Bahnbetrieb, wurde von der Deutschen Bundesbahn verkauft und anschließend als Wohngebäude mit Gewerbefläche genutzt.
6. Der heutige Haltepunkt Raumünzach
Im Zuge der Integration der Murgtalbahn in das Karlsruher Stadtbahnnetz wurde im Jahr 2002 wieder ein Haltepunkt in Raumünzach eingerichtet. Dieser befindet sich neben beziehungsweise nahe dem historischen Bahnhofsgebäude. Das ursprüngliche Empfangsgebäude ist nicht Bestandteil des heutigen Haltepunkts.
7. Historische Luftbilder
- Raumünzach, Befliegung 1968: LEO-BW – Landesarchiv Baden-Württemberg
- Schwarzenbach, Befliegung 1986: LEO-BW – Landesarchiv Baden-Württemberg
